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Arbeitserziehungslager
Breitenau 1940-1945
 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: Werksausweise und DokumenteIm Sommer 1940 wurde in Breitenau erneut ein Lager für "Schutzhäftlinge" eingerichtet. In der damaligen Verwaltungssprache wurde es als Arbeitserziehungslager bezeichnet und galt als "Vorstufe zu einem Konzentrationslager".
Dieses Arbeitserziehungslager hatte eine ähnliche Funktion wie das frühe Konzentrationslager in den Jahren 1933/34. Es war kein Vernichtungslager, sondern ein Lager, in dem Menschen, die sich nicht unterordneten, gefügig gemacht werden sollten. Die Gefangenen des Arbeitserziehungslagers waren jedoch nicht in erster Linie politische Gegner, sondern Menschen, die in irgendeiner Form gegen NS-Verordnungen verstoßen hatten. Die Haftgründe reichten von bloßen Verdächtigungen bis zu sogenannten "Verstößen gegen das gesunde Volksempfinden". Hierzu gehörten z.B. Beziehungen zwischen Deutschen und ausländischen Zwangsarbeitern oder Kriegsgefangenen, die zum Teil grausam bestraft wurden.
 
In dem Arbeitserziehungslager Breitenau, das der Kasseler Gestapo unterstand, waren vom Sommer 1940 bis zum Kriegsende etwa 8.300 "Schutzhäftlinge" inhaftiert; die meisten von ihnen etwa 1-2 Monate. Bei dem überwiegenden Teil dieser Gefangenen handelte es sich um ausländische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die von der Gestapo verhaftet worden waren, weil sie sich der Zwangsarbeit nicht mehr fügen wollten oder vielfach aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr konnten. Als "Haftgründe" tauchen häufig auf: "Arbeitsverweigerung", "unberechtigtes Verlassen der Arbeitsstätte", "Arbeitsvertragsbruch" oder auch "Arbeitssabotage". Es gibt auch Haftgründe, die in direktem Zusammenhang mit den unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter zu sehen sind. Im Juni 1943 wurde ein 17jähriger sowjetischer Zwangsarbeiter der Fieseler-Werke Kassel in Breitenau eingewiesen, weil "er eine Essmarke gefälscht" hatte.
Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: sowjetische ZwangsarbeiterinInsgesamt waren in Breitenau etwa 7.000 ausländische Gefangene aus über 20 Nationen inhaftiert. Viele von ihnen waren sehr jung; die größte Altersgruppe lag bei 17 bis 25 Jahren. Der jüngste "Schutzhaftgefangene" war bei seiner Einweisung gerade 12 Jahre alt. (siehe: Jugendliche und Kinder als Gefangene)
Die Gefangenen stammten aus der Sowjetunion, Polen, Frankreich, Holland, Luxemburg, Italien und vielen anderen Ländern. Von dort waren sie unter Zwang und zum Teil unter Gewaltanwendung ins Deutsche Reich verschleppt worden, um hier in der Industrie und Landwirtschaft als Zwangsarbeiter eingesetzt zu werden. Insgesamt waren es zwischen 8 und 10 Millionen Menschen - Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder.
Über die Arbeitsämter wurden sie an Firmen und Landwirte verteilt und in unzähligen Lagern, den sogenannten "Fremdarbeiterlagern", untergebracht. Allein in Kassel gab es während des Krieges über 200 solcher Lager, in denen Zwangsarbeiter, Zwangsarbeiterinnen und zum Teil auch Kriegsgefangene zusammengepfercht waren, um in allen möglichen Betrieben zu arbeiten. Ihre Arbeitszeit betrug häufig 12 Stunden, und das bei mangelnder Ernährung, unzureichender Bekleidung und einem Hungerlohn.
Wer sich gegen diese Arbeits- und Lebensbedingungen zur Wehr setzte, sich nicht unterordnete und nicht anpasste, der wurde verhaftet und von der Gestapo in das "Arbeitserziehungslager" Breitenau geschleppt.
Dort sollte ihm, wie es damals hieß, "das Arbeiten beigebracht werden". Neben den ausländischen Gefangenen waren in Breitenau auch Deutsche inhaftiert. Unter ihnen befanden sich Pfarrer, die in Predigten etwas gegen die Nazis geäußert hatten, Männer und Frauen, die zu "Volksfeinden" erklärt worden waren, und Juden, die von dort nach Dachau oder Auschwitz deportiert wurden.
Sie alle mussten in Breitenau in einem Zeitraum von 1 bis 2 Monaten KZ-ähnliche Bedingungen durchlaufen. Sie wurden gedemütigt und gequält, um sie gefügig zu machen.
Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: ZwangsarbeiterTagsüber mussten die Gefangenen in Arbeitskolonnen arbeiten. Die Kolonnen bestanden in der Regel aus 12 Gefangenen, die ein bewaffneter Aufseher begleitete. Sie wurden bei Wald- und Feldarbeiten, aber auch in verschiedenen Betrieben eingesetzt. Ein ehemaliger französischer Gefangener, der im Februar 1945 in Breitenau inhaftiert war, schreibt von solch einem Arbeitskommando: "Um 5 Uhr morgens wieder diese Glocke. Um 6 Uhr wurde auf dem Appellplatz ein neues Kommando gebildet. Um 7 Uhr Abmarsch zum Instandsetzen von Waldwegen. Es hatte fast die ganze Woche geregnet, und wir hatten nichts als unsere dürftige Kleidung auf dem Leib. Und wieder gab es mittags nichts zu essen. Am Abend nach unserer Rückkehr ins Lager wurden wir durchgezählt, und dann hatten wir endlich unsere Ruhe. Aber wir waren ausgekühlt und so übermüdet, dass wir nur mit Mühe die eklige Suppe essen konnten." Aus einem Schreiben vom September 1943 geht hervor, dass die Kolonnen teilweise "barfuss zu den Außenkommandos" marschierten, weil die Schuhbestände für die vielen Gefangenen nicht mehr ausreichten. Wir haben mit ehemaligen Gefangenen gesprochen, die während ihrer zweimonatigen Haftzeit mehr als 30 Pfund abgenommen haben, und zwar nicht nur, weil sie so wenig zu essen bekamen, sondern weil sie aufgrund der Arbeits- und Lebensbedingungen schwer erkrankten. Schläge und Tritte waren an der Tagesordnung. Die körperlichen und seelischen Schäden, die den Gefangenen zugefügt wurden, wirken zum Teil bis zum heutigen Tag nach.
Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: Untersuchung zur DeportationEinige Gefangene waren so geschwächt, dass sie noch im Lager Breitenau starben.
Neben der Funktion als "Arbeitserziehungslager" war Breitenau auch gleichzeitig Konzentrationssammellager. Noch während der Haftzeit wurde entschieden, ob ein Gefangener entlassen oder in eines der großen SS-Konzentrationslager deportiert wird. Jeder fünfte Gefangene musste von Breitenau mit einem Sammeltransport den Weg in die SS-Konzentrations- und Vernichtungslager antreten (siehe: Breitenau - Teil eines riesigen Verfolgungsapparates).

 

(aus: Richter, Die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen bei Kassel, S.8-11.)

(Zur Geschichte des Arbeitserziehungslager Breitenau siehe: Gunnar Richter, Das Arbeitserziehungslager Breitenau (1940-1945) als PDF)

 

Weiterführende Links:

·         Breitenau - Teil eines riesigen Verfolgungsapparates

·         Jugendliche und Kinder als Gefangene

weiterführende Literatur:

·         siehe Publikationen