Bildung  

Veranstaltungen

Digitales Gedenken an die Opfer des Endphaseverbrechens am Fuldaberg

Vor 76 Jahren, in den frühen Morgenstunden des 30. März 1945 wurden am Fuldaberg 28 Schutzhaftgefangene von der Gestapo erschossen. Angesichts des Vormarsches der amerikanischen Truppen hatte die Gestapo zuvor damit begonnen, das Arbeitserziehungslager Breitenau aufzulösen. Sie teilte die Gefangenen in Kolonnen ein und schickte sie auf verschiedene Märsche. Darüber hinaus wurden Gefangene in einem Zug Richtung Konzentrationslager Buchenwald transportiert. Hier wurden am 30. März 157 ehemalige Gefangene von Breitenau registriert. Als sich nur noch wenige Schutzhaftgefangene in Breitenau befanden, fand das Endphaseverberechen statt. Am frühen Morgen des 30. März 1945 erschossen Gestapomitarbeiter und SS-Mitglieder 28 der verbliebenen Gefangenen des Arbeitserziehungslagers. Einen Tag darauf treffen amerikanische Soldaten in Breitenau ein und befreien die wenigen verbliebenen Schutzhaftgefangenen und Insassen und Insassinnen des Arbeitshauses.  

Um auch in Pandemiezeiten der Opfer zu gedenken, veranstaltete die Gedenkstätte Breitenau zusammen mit der politischen Gemeinde Guxhagen und der evangelischen Kirchengemeinde eine digitale Gedenkfeier, die am 30. März  in den Sozialen Medien veröffentlicht wurde. Nach einer Einführung durch Ann Katrin Düben, Leiterin der Gedenkstätte Breitenau, erinnerte Edgar Slawik, Bürgermeister von Guxhagen, in seiner Rede an die Opfer und zeichnete den Weg des öffentlichen Erinnerns an das Verbrechen nach. Er legte im Namen der Gemeinde Guxhagen einen Trauerkranz ab. Hierauf ist zu lesen: „Geopferte mahnen euch Menschen, lasst nicht ab vom Streben nach Freiheit, Frieden und Recht“. In diesem Sinne mahnte Edgar Slawik, dass „heute teils Umtriebe zu beobachten sind, die an die damalige Zeit erinnern“. Auch daher sei es wichtig, der Menschen zu gedenken, die vor 76 Jahren auf so brutale Weise ermordet wurden. Für jedes der Opfer legte er zum Abschluss eine Blume am Denkmal nieder.

Die vergessenen Lager: Lichtenburg und Sachsenburg in den Erinnerungskulturen

Online-Vortrag und Gespräch mit Anna Schüller (Geschichtswerkstatt Sachsenburg e.V.) und Melanie Engler (Leiterin der Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin), Moderation: Ann Katrin Düben (Leiterin Gedenkstätte Breitenau)

https://uni-kassel.zoom.us/j/98157636503?pwd=M0IrTWM5OEIvVjRwRVJxdVg3L2lRQT09

Meeting-ID: 981 5763 6503
Kenncode: 609286

Die Konzentrationslager Sachsenburg und Lichtenburg wurden 1933, wenige Monate nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten eingerichtet. Beiden Orten war eine bereits vorhandene Infrastruktur des Einsperrens gemein: Das Zuchthaus im historischen Renaissanceschloss Lichtenburg und die Korrektionsanstalt Sachsenburg unterhalb des gleichnamigen spätgotischen Schlosses. Heute ist die historische Bedeutung der Konzentrationslager Sachsenburg und Lichtenburg bekannt. Erinnerungskulturell nahmen sie jedoch lange eine Randposition ein. Zunächst im Schatten der großen Nationalen Mahn- und Gedenkstätten der DDR drohte die Erinnerung an diese Lager in den 1990er und 2000er Jahren durch Umnutzungspläne gänzlich verloren zu gehen. Erst dank politischer und zivilgesellschaftlicher Interventionen gelangten die „vergessenen Lager“ in den letzten Jahren zunehmend ins öffentliche Bewusstsein zurück.

Die Historikerin und Geschichtslehrerin Anna Schüller wird in ihrem Impulsvortrag auf die Verflechtung des Lagers Sachsenburg mit der lokalen Umgebung eingehen. Zusammen mit Melanie Engler, Leiterin der Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin, erörtert sie im Anschluss, wie sich die Erinnerungskultur an Orten „früher“ Konzentrationslager in der DDR entwickelt und seit 1990 verändert hat: Welche Probleme haben Gedenkstätten an mehrschichtigen historischen Orten, die durch eine besondere Vielfalt von Akteur:innen und Perspektiven gekennzeichnet sind? Und kann es eine Chance sein, wenn erinnerungskulturelle Aushandlungsprozesse im Vergleich zu anderen Orten „verspätetet“ einsetzen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung, die am 25.3., ab 19 Uhr stattfindet.

 

Gestern im Heute

Radio-Reihe in Kooperation mit BS Anne Frank Kassel

20.10.2020 – 10.2.2021

Vom „Vogelschiss“ bis zum „Mahnmal der Schade“: Äußerungen, die den Nationalsozialismus verharmlosen, sind seit einigen Jahren zunehmend öffentlich präsent. Was steckt hinter geschichtsrevisionistischen Positionen und welche politischen Ziele verfolgen Menschen, die den Holocaust bagatellisieren und Verschwörungsmythen verbreiten? Wie kann die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands in der gegenwärtigen Migrationsgesellschaft sinnvoll thematisiert werden? Und welche Rolle spielt historischpolitische Bildungsarbeit dabei?

Diese Fragen stehen im Fokus der Veranstaltungsreihe Gestern im Heute der Gedenkstätte Breitenau und der Bildungsstätte Anne Frank Kassel, die im Freien Radio Kassel ausgestrahlt wurde. Die Gespräche können hier nachgehört werden kann.


„Man muss uns jetzt diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten“. Zur Bedeutung von „Geschichte“ im aktuellen Rechtspopulismus
Vortrag von Michael Sturm (Historiker, Villa ten Hompel)

Der erzählte Antisemitismus. Zum Umgang mit antisemitischen Verschwörungserzählungen
Vortrag & Diskussion mit Julian Timm (Gustav-Stresemann-Gymnasium, Bad Wildungen) & Tami Rickert (Bildungsstätte Anne Frank)

Diversity in der historisch-politischen Bildungsarbeit
Diskussion mit Deborah Krieg (Bildungsstätte Anne Frank) & Eren Yildirim Yetkin (Hochschule Koblenz)
 

Decolonizing Auschwitz? Woran postkoloniale Ansätze in der Holocaustforschung scheitern.

Online-Vortrag von Steffen Klävers

Do 18.2.2021 um 19 Uhr

In Kooperation mit Junges Forum der DIG Kassel

In den vergangenen Jahren sind diverse wissenschaftliche Arbeiten erschienen, die die Holocaustforschung mit kolonialgeschichtlichen und postkolonialen Ansätzen verknüpfen. Es wird davon ausgegangen, dass die Wissenschaft sich bisher zu wenig mit der Frage beschäftigt habe, inwiefern die Geschichte des Kolonialismus auch für die Historiographie und Erinnerungskultur von Nationalsozialismus und Shoa von Bedeutung ist.

Eine zentrale Grundüberzeugung dieser Ansätze ist, dass die These einer qualitativen Beispiellosigkeit des Holocausts sich vor dem Hintergrund der Geschichte kolonialer Gewalt nicht aufrecht erhalten lasse. Vielmehr wird von historischen Kontinuitäten verschiedener Art ausgegangen, deren Nichtbeachtung einem wissenschaftlichen Eurozentrismus gleichkomme. Die Argumentation dieser Ansätze soll im Vortrag vorgestellt werden. Dabei soll auch aufgezeigt werden, in welcher Hinsicht sie mit Erkenntnissen der bisherigen NS-, Holocaust- und Antisemitismusforschung brechen – und welche Probleme mit einem solch kolonialgeschichtlichen Zugriff einhergehen.

Steffen Klävers hat in seiner Dissertation "Decolonizing Auschwitz?: Komparativ-postkoloniale Ansätze in der Holocaustforschung" (Berlin: de Gruyter 2019) eine Kritik an den gegenwärtigen Versuchen postkolonialer Deutung des Holocausts formuliert.