Historischer Ort  

Vom Kloster zum Arbeitshaus 1113–1874

Die Entstehung und Auflösung des Klosters 

 

Das Benediktinerkloster Breitenau wird im Jahr 1113 gegründet. Um 1250 ist die romanische Pfeilerbasilika aus drei Schiffen fertiggestellt. Zur Zeit des Klosters schließt an der Nordseite der Kirche ein Kreuzgang an, auf der Westseite des Geländes befinden sich Stallungen und Scheunen. Die Zehntscheune, in der sich seit 1984 die Gedenkstätte Breitenau befindet, stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der Umbau des Ostteils der Kirche im gotischen Stil erfolgt kurz vor Beginn der Reformation. Wenige Zeit später löst Landgraf Philipp (1504–1567) das Kloster 1527 auf und lässt die Kirche zu einem Pferdestall und Fruchtspeicher umbauen. Dabei werden die Seitenschiffe abgerissen, die Bogenreihen zugemauert und mehrere Etagen in das Mittelschiff eingezogen. Zu einer erneuten Umgestaltung kommt es im 17. Jahrhundert. Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (1572–1632) baut das säkularisierte Kloster zu einem Landsitz aus. Während des 30-jährigen Krieges wird die Anlage schließlich stark zerstört und verfällt in den kommenden Jahrzehnten zusehends.  

Correktions- und Landarmenanstalt Breitenau

 

Als 1874 die Correktionsanstalt Breitenau eingerichtet wird, liegt die Geschichte des Klosters bereits drei Jahrhunderte zurück. Das Arbeitshaus entsteht als Folge der Annexion von Kurhessen durch Preußen (1866) und der anschließenden Neuordnung der Verwaltung. Im Jahr 1867 wird der Regierungsbezirk Kassel gegründet und eine kommunalständische Verfassung sowie ein kommunalständischer Verband als Organ der Selbstverwaltung eingeführt. An die Rückgabe des beschlagnahmten hessischen Staatsschatzes wird von Preußen die Bedingung geknüpft, eine Arbeitsanstalt und ein Landarmenhaus im Regierungsbezirk zu unterhalten. Als der Bezirkskommunalverband hierfür 1872 das ehemalige Kloster erwirbt, verpflichtet er sich vertraglich, Denkmäler und Ornamente zu erhalten und die evangelische Kirche, die zu dieser Zeit in der Zehntscheune untergebracht ist, in die historische Basilika zu verlegen. Dies ist der Beginn der Doppelnutzung der ehemaligen Klosterkirche: Auf der einen Seite sind die Insassen des Arbeitshauses untergebracht, auf der anderen Seite feiert die evangelische Gemeinde ihre Gottesdienste. 

In der Anstalt sind Menschen zur „korrektionellen Nachhaft“ untergebracht: Bettler, Vagabunden, „liederliche Dirnen“. Sie gelten laut Reichsstrafgesetzbuch von 1871 (§ 361) als kriminell und so folgt auf kurze Haftstrafen in Gefängnissen oder Zuchthäusern die Unterbringung in Arbeitshäusern. Hier sollen sie durch Pflichtarbeit zu einer „geordneten“, den bürgerlichen Idealen entsprechenden Lebensweise erzogen werden. Neben der Korrektionsanstalt richtet der Bezirksverband 1877 ein Landarmenhaus auf dem Gelände ein, in dem Fürsorgeempfänger, anders als in der Korrktionsanstalt, teils über Jahrzehnte verwahrt werden.