Biografien  

Anna B.

geboren 23.02.1907 St. Ingbert

Beruf Köchin
Wohnort bei Verhaftung Hanau
Haftgrund Verbotener Umgang mit Kriegsgefangenen
Haftzeitraum 1942-1945

Biografie

Anna B. wird 1907 im saarländischen St. Ingbert geboren. Als Erwachsene arbeitet sie als Köchin in Hanau und ist verheiratet. Von ihrem damaligen Ehemann wird sie im September 1942 wegen verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen angezeigt und daraufhin von der Gestapo verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis Hanau gebracht. Da der ihr vorgeworfene verbotene Umgang nicht nachgewiesen werden kann, kommt sie nach einem Monat Haft wieder frei. Nur zwei Wochen später wird sie jedoch erneut angezeigt, vermutlich von einer Nachbarin, weil sie Franz Stupka, einen tschechischen Zwangsarbeiter, in ihrer Wohnung empfängt. Die beiden bemerken die eintreffende Kriminalpolizei rechtzeitig, sodass Franz Stupka die Flucht gelingt. Nur wenige Stunden später wird er jedoch aufgegriffen und so stark misshandelt, dass er eine Affäre gesteht. Anna wird festgenommen und sie und Franz werden am 26. November 1942 ins Arbeitserziehungslager Breitenau eingeliefert. Im April 1943 wird sie ins KZ Ravensbrück überstellt, Franz Stupka am 5. April 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz. Während sein weiteres Schicksal bislang noch unbekannt ist, geben die Entschädigungsforderungen von Anna B. Einblicke in ihr Leben nach 1945. 

Anna B. leidet laut amtsärztlichem Gutachten infolge ihrer Haft an „muskulare(r) Herzinsuffizienz, schwerer Arthritis in Kniegelenken“ und kann keiner stehenden Tätigkeit nachgehen. Sie ist seit ihrer Entlassung aus dem Konzentrationslager Ravensbrück in keinem festen Arbeitsverhältnis mehr gewesen und ist auf eine Wohlfahrtsunterstützung angewiesen. Seit Oktober 1945 bemüht sie sich um die Aufnahme in Betreuungsstellen für ehemalige Verfolgte. Die „Betreuungsstelle für politisch, rassisch und religiös Verfolgte Hanau-Stadt“ lehnt ihre Aufnahmegesuche aber wiederholt ab, da sie keinen Nachweis für ihre politische Verfolgung erbringen kann. Dagegen vertraut die Betreuungsstelle dem Urteil der Kriminalbeamten, die Anna Büttner 1942 festgenommen und 1949 über ihren „unsittlichen Lebenswandel“ und den „dauernden wechselnden Männerverkehr“ aussagen und bestätigen, dass es sich unter keinen Umständen um eine „politische Inhaftierung“ gehandelt habe. Ebenfalls abgelehnt wird ihr Antrag auf Entschädigung. Gegen die erste Ablehnung im Jahr 1951 hatte Anna B. Einspruch erhoben, woraufhin sie 1952 vor der Wiedergutmachungskammer angehört wird. Die Kammer lehnt ihren Antrag schließlich endgültig ab, da „gemäß § 1 Entschädigungsgesetz nur solche Personen Anspruch auf Wiedergutmachung (haben), die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wegen ihrer politischen Überzeugung oder aus Gründen der Rasse, Religion oder Weltanschauung verfolgt und geschädigt worden sind.“ 

zurück