Biografien  

Willi Belz

geboren 07.03.1915 Kassel
gestorben 16.05.2003

Beruf Zeichner, Journalist
Wohnort bei Verhaftung Kassel
Haftgrund Vorbereitung zum Hochverrat
Haftzeitraum 1933-1936

Biografie

Willi Belz wächst in Kassel in einer Arbeiterfamilie auf und engagiert sich früh in der kommunistischen Jugendbewegung. Kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, im März 1933, wird das Haus der Familie Belz von der Sturmabteilung (SA) gestürmt und verwüstet. Der Vater Konrad, Mitglied in der Bezirksleitung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), und seine beiden Söhne Willi und Ernst werden in die Gaststätte Bürgersäle in Kassel verschleppt, eine Folterstätte der SA. Hier wird Konrad Belz so schwer misshandelt, dass er an den Folgen wenige Jahre später verstirbt. Schließlich wird Konrad Belz für zwei Wochen im Konzentrationslager Breitenau inhaftiert.

Sein Sohn Willi Belz bleibt hingegen vorerst in Freiheit und wird in Kassel zu einem wichtigen Knotenpunkt des kommunistischen Widerstands. Er fungiert als Kontaktperson zum Zentralkomitee in Berlin, besorgt Kurieren Unterkünfte, verteilt Flugblätter und hisst heimlich die Rote Flagge. Im Oktober 1933 werden Willi Belz und andere Mitglieder des Kommunistischen Jugendverbands in Berlin festgenommen. Sie waren in eine Falle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) getappt. Willi Belz wird ins Polizeigefängnis Kassel überführt und von hier am 8. Dezember 1933 ins Konzentrationslager Breitenau. Am 23. März 1934 wird Willi Belz wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt, die er im Strafgefängnis Halle verbüßt. Danach kommt er ins Konzentrationslager Lichtenburg, aus dem er 1936 entlassen wird. Zurück in Kassel nimmt er wieder Kontakt auf zum kommunistischen Widerstand. 1941 wird er jedoch als Soldat einberufen und kommt 1943 in die Sowjetunion. Hier gelingt es ihm, zur Roten Armee überzulaufen und er gehört dem Nationalkomitee Freies Deutschland an: Ein Zusammenschluss von antifaschistischen deutschen Kriegsgefangenen und Kommunisten im Exil.

1947 kehrt Willi Belz nach Kassel zurück. Der weiterhin überzeugte Kommunist kandidiert zunächst für die KPD, nach deren Verbot für die Deutsche Friedensunion und die Aktion Demokratischer Fortschritt sowie schließlich die Deutsche Kommunistische Partei (DKP). Außerdem ist er Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in Kassel. Neben seinen politischen Ämtern arbeitet er als Redakteur der Sozialistischen Volkszeitung und gibt 1960 ein Buch zum antifaschistischen Widerstand heraus. Außerdem veröffentlicht er eine zweibändige Arbeit zur Nachkriegsgeschichte Kassels. Willi Belz besucht noch im hohen Alter Schulen und hält Reden, um über die Zeit des Nationalsozialismus aufzuklären.

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