Biografien  

Marie Mäding

geboren 21.11.1920 Kirchberg b. Fritzlar

Beruf Landarbeiterin, Hausgehilfin
Wohnort bei Verhaftung Kirchberg b. Fritzlar
Haftzeitraum 1933-1945

Biografie

Marie Mäding wird 1920 im nordhessischen Kirchberg geboren. Ihr Verfolgungsweg ist eng mit dem von Johann Nowak verwoben, der im Winter 1939/1940 als polnischer Kriegsgefangener zur Zwangsarbeit in den kleinen Ort Metze bei Fritzlar kam, wo er die beim selben  Bauern arbeitende Magd Marie Mäding kennenlernte.

Nowak, der einen deutschen Vater, der 1918 die polnische Staatsbürgerschaft annahm, und eine polnische Mutter hatte, ging kurz darauf nach Polen zurück, da „halbdeutsche“ Polen ab 1940 wieder in ihr Heimatland zurückkehren durften. 1941 bekam Marie Mäding ein Kind von ihm, womit sie gegen das Verbot des gesellschaftlichen und sexuellen Kontaktes von deutschen Frauen mit polnischen Männern verstieß. Nowak wurde daraufhin in Polen ausfindig gemacht und wurde im Arbeitserziehungslager Breitenau inhaftiert. Marie Mäding wehrte sich unterdessen dagegen zuzugeben, dass sie von Nowak vergewaltigt worden war, was zu ihrer Inhaftierung in das Arbeitshaus und Arbeitserziehungslager Breitenau im Januar 1942 und später in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück bei Berlin führte. Das Kind war zu dieser Zeit in Fürsorgeobhut gekommen und Nowak sollte auch für Unterhaltszahlungen herangezogen werden. Nowaks Verbindung zu Marie Mäding wiederum sollte schließlich mit dem Tod bestraft werden – ein gängiges Verfahren, wenn ein polnischer Mann eine Beziehung zu einer deutschen Frau hatte. Möglicherweise bot man ihm im Lager Breitenau sogar an, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, um das Verfahren gegen ihn fallen zu lassen. Allerdings scheint Nowak dies, eventuell aus patriotischen Gründen, abgelehnt zu haben. Am 6. Mai 1942 brachte die Kasseler Gestapo Johann Nowak von Breitenau nach Metze, wo er kurz darauf erhängt wurde. Durch die Hinrichtung konnte von den Nationalsozialisten ein Beispiel statuiert werden, was passiert, wenn polnische Männer eine Beziehung mit einer deutschen Frau eingingen. Als Abschreckungsmaßnahme mussten andere, in der Region zum Arbeiten eingesetzte polnische Zwangsarbeiter, an dem Erhängten vorbeigehen und diesen anschauen.

Mäding blieb bis 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück, wo sie in der Wäscherei tätig war. Danach kehrte sie durch Fürsprache des Kirchberger Bürgermeisters in ihren Heimatort zurück und arbeitete bei diesem fortan als Magd. Sie verstarb nach dem Ende des Krieges in einem Kasseler Krankenhaus. Das gemeinsame Kind verstarb im Alter von ungefähr fünf Jahren an einer Lungenkrankheit.

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